Verkehrsunfälle im In- und Ausland

Was ist zu beachten, wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt und ein ausländisches Fahrzeug verwickelt ist, sich der Verkehrsunfall im Ausland ereignet oder ein nicht versichertes Fahrzeug beteiligt ist?

Wer in Österreich einen Verkehrsunfall erleidet, an dem ein in Österreich zugelassenes Fahrzeug verwickelt ist, kann berechtigte Schadenersatzansprüche (wie insbesondere Ersatz der Reparaturkosten, Abgeltung der Wertminderung des Fahrzeuges, Schmerzengeld, Verdienstentgang) gegenüber dem Kfz-Haftpflichtversicherer des gegnerischen Unfallfahrzeuges geltend machen.

Wenn das gegnerische Unfallfahrzeug jedoch nicht versichert ist (das heißt keine Haftpflichtversicherung für dieses Fahrzeug besteht), der gegnerische Unfalllenker Fahrerflucht begeht oder der Kfz-Haftpflichtversicherer leistungsfrei wird (zum Beispiel, wenn der Unfall mit einem gestohlenen beziehungsweise widerrechtlich benutzten Fahrzeug verursacht wird oder der gegnerische Fahrzeuglenker den Schaden vorsätzlich und rechtswidrig herbeiführt), dann können aufgrund des Gesetzes über den erweiterten Schutz der Verkehrsopfer(„Verkehrsopferschutzgesetz“) Schadenersatzansprüche gegenüber dem Fachverband der Versicherungsunternehmungen geltend gemacht werden. Zu beachten ist, dass im Fall der Fahrerflucht nur Personenschäden ersetzt werden. In allen übrigen Fällen besteht bei Sachschädenein Selbstbehalt von EUR 220,--.

Passiert ein Verkehrsunfall im Ausland, dann ist zu unterscheiden, ob sich der Verkehrsunfall innerhalb oder außerhalb der Europäischen Union (EU) ereignet. Nach Verkehrsunfällen innerhalbder Europäischen Union oder in Island, Lichtenstein beziehungsweise Norwegen, können Schadenersatzansprüche direkt in Österreich geltend gemacht werden. Jeder Kfz-Haftpflichtversicherer hat in Österreich einen Schadenregulierungsbeauftragten bekannt zu geben, der für die Bearbeitung von Schadenersatzansprüchen zuständig ist.

Wenn es zu einem Verkehrsunfall außerhalb der Europäischen Union und den vorhin genannten Ländern kommt, dann müssen grundsätzlich Schadenersatzansprüche in dem Land durchgesetzt werden, in dem sich der Unfall ereignet.

Zu beachten ist, dass für bestimmte Staaten als Nachweis des Versicherungsschutzes die „Grüne Karte“ notwendig ist (zum Beispiel für Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Serbien, Mazedonien, Moldawien, Rumänien, Türkei, Ukraine, Weißrussland).

Besteht für ein verunfalltes Fahrzeug eine Kaskoversicherung, dann können – abhängig von den Versicherungsbedingungen – die eigenen Schäden im Rahmen der Kaskoversicherung liquidiert werden, unabhängig davon, ob sich der Verkehrsunfall im In- oder Ausland ereignet.

Welches Recht für die Beurteilung des Verkehrsunfalls anzuwenden ist (in der Regel ist das Recht des Unfallortes maßgeblich) und welche Möglichkeiten zur Durchsetzung des im Zuge eines Verkehrsunfalls entstandenen Schadens bestehen, sind im Einzelfall zu beurteilen. Zu beachten ist auf jeden Fall, dass gerechtfertigte Schadenersatzansprüche innerhalb gewisser Fristen gestellt werden müssen.

Rechtsanwalt Mag. Erik Focke ist Autor für verschiedene Fachzeitschriften. Dieser Beitrag ist veröffentlicht in AUTOSERVICE (Nr. 2/2007) - ein Magazin von Springer Business Media Austria.